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Seite 22 Ausgabe 6.2018 - Juni auf dem Vulkan Volker KLÜPFEL / Michael KOBR KLUFTINGER Vom Allgäu aus eroberten sie in den letzten 15 Jahren mit ihren wundervollen Krimis „Milchgeld“, „Seegrund“, „Laienspiel“, „Schutzpatron“ oder „Grimmbart“ die Welt: Das Autoren-Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr mit ihrem liebenswert- verschrobenen Kemptener Kommissar Kluftinger, der am liebsten Wurstsalat und Kässpatzen isst. Sie haben mittlerweile über 6 Mio. Bücher verkauft. Die Live - Auftritte sind ganz besondere Events mit bislang über 350.000 Besuchern. Fünf Verfilmungen gibt es zudem. Noch bis 11. April 2019 sind sie bundesweit auf Jubiläumstour, so am 13. November 2018 in Gießen und am 20. Februar 2019 in Frankfurt. Dadurch wurde Kluftingers Wohnort Altusried, im Landkreis Oberallgäu, mit seinen 10.000 Einwohnern bundesweit bekannt. Es gibt dort sogar eigene Krimi-Gästeführungen zu den Originalschauplätzen der Romane. Nun erschien Band 10 „Kluftinger“ der bayerischen Kult-Reihe, ein kleines Jubiläum. Der neue Roman ist nicht so überbordend lustig wie etwa „Himmelhorn“, denn es ist ein sehr persönlicher, spannender und tragischer Roman, in dessen Verlauf der Kommissar in seine bewegte Vergangenheit eintaucht und sich seinen Ängsten, Zweifeln und Fehlern stellen muss. Es wird eine Reise zu sich selbst und dennoch kommt der Humor auch diesmal nicht zu kurz. Kluftinger ist stolzer Opa und blödelt mit dem Nachwuchs herum. Yumiko und Sohn Markus sind ausgezogen und haben sich den geliebten Passat „geliehen“. Doch die Unbeschwertheit und Freude verschwindet ganz schnell, als die Familie bei einem Besuch des Friedhofs an Allerheiligen ein frisch ausgehobenes Grab entdeckt. Auf dem Holzkreuz steht sein Name „Adalbert Ignatius Kluftinger 1959 – 2018“ (so heißt er also !) . Klufti hält das zunächst für einen schlechten Scherz. An der Arbeit sind seine Kollegen Roland Hefele, Richard Maier, Sandy Henske und Eugen Strobl allerdings alarmiert. Und so beginnen schwierige und langwierige Ermittlungen. Von Rösler, den der Kommissar von früher her kennt, erfährt er, dass der „Schutzpatron“ Albert Mang wieder aktiv ist. Klufti ist sich nicht sicher, ob er wirklich dahintersteckt, doch scheinbar hatte er einen Maulwurf bei der Polizei. Klufti ist entsetzt. Dann bekommt er einen Anruf vom Wirt des Gasthauses „Zum Kreuz“. Das liegt direkt am Wallfahrtsort „Gschnaidt“. Hier gibt es zwei wunderschöne Kapellen und einen „Wald der Sterbekreuze“. Er hat eine Person gesehen, die sein Kreuz getragen hat. Der Spruch auf dem Kreuz „Findet die Wahrheit, denn die Wahrheit macht Euch frei.“ macht ihn stutzig. Was will man ihm damit nur sagen ? Als er das Kruzifix loswerden will, kommt ihm ausgerechnet sein Intimfeind Dr. Martin Langhammer samt neuem Hund „Wittgenstein“ (der Philosoph, nicht der Metzger !) in die Quere. Beim Aufpassen aufs Enkelkind gelangt der arme Kommissar hingegen an seine ganz eigenen Grenzen. Er fragt sich, was ein Kind beruhig: Eine TV-Sendung oder eher laufende Küchengeräte wie Staubsauger, Waschmaschine, Küchenmaschine, Dunstabzugshaube und eine Zitronenpresse ? Zudem trinkt er aus Versehen Yumikos abgepumpte Babymilch. Im Büro gesteht im Eugen Strobl, dass er finanzielle Probleme hat. Er hat seine Wohnung und sein Auto verloren. Doch Adalbert hat keine Zeit für ihn, denn da erscheint eine Todesanzeige für ihn in der Tageszeitung mit dem Satz „We fly you to the promised land“. Diese Spur führt ihn weit zurück in die eigene Vergangenheit. Damals – in den 70ern - als er Teil einer Jugendclique war. Diese bestand aus ihrem Anführer Horst Glotz genannt Hotte, seiner hübschen Freundin Marianne Reitmeier, Manne Glotz, Korbinian Frei, genannt Binie, und Brigitte Fendt, die in Adalbert Kluftinger, genannt „Nazi“, verliebt war. Sie hingen oft herum, hörten Musik, rauchten und trugen lange Haare und zerrissene Jeans. Sie träumen von Freiheit und Liebe. Ab und an stiegen sie ins örtliche Freibad ein. Ihr Lieblingslied war „We fly you…“ von den Les Humphries Singers. Kluftis Vater war damals der Dorfpolizist und sehr streng. Die Glotz-Brüder seien kein Umgang für ihn. Seine Mutter Hedwig war sehr liebevoll. Doch dann kam dieser schicksalhafte Tag als sie, um ein Konzert der Les Humphries Singers besuchen zu können, den Kleinbus eines Unternehmers stehlen wollten. Eine Schnapsidee. Dabei kam dieser ums Leben. Sie schworen sich, nie etwas über den Vorfall zu erzählen, doch Klufti konnte das nicht, da ein unschuldiger Roma der Tat verdächtigt wurde und so wanderte „Hotte“ ins Gefängnis, wo er kurz darauf starb. Viell. stecken ja seine Freunde Manne oder Brigitte hinter der Tat ? Auch die absurden Momente dürfen natürlich nicht fehlen. Klufti freundet sich nämlich mit Hund Wittgenstein an, den er Hinkelstein, Siebenstein, Falkenstein und Wendelstein nennt. Das wird ihm am Ende des Falls sehr helfen. Da er seine Trommel neu bespannen lassen muss, befestigt er sie auf den Dach des pinken Smart und sorgt damit für erhebliche Verkehrsbehinderungen auf der Bundesstraße B 1. Witzig ist zudem wie Kluftinger seine Kollegen einstellt und seine Eltern seine damalige Freundin Erika regelrecht verhören. Ob sie auch so eine „Vegetative“ (sie meint Vegetarierin) sei, fragt die Mutter. Sie macht jedenfalls bis heute die besten Kässpatzen. Oder als Klufti ein Auto für Markus und Yumiko kauft und sich dabei um Kopf und Kragen redet. Er landet letztlich in einem feuerroten Renault Kangoo. Während die Familie eher für einen japanischen Hybrid plädiert, muss sich Adalbert Kluftinger mit Begriffen wie ASR, ESP, ABS, DCC und Isofix herumschlagen ? Fast hält er sie für ein Lied der Fanta 4 ? Doch dann findet der Kommissar Sterbebildchen mit seinem Foto darauf in der Kirche. Erschreckend ! Irgendwie erinnert ihn das plötzlich an seinen ersten Mordfall: Am Tag des „Funkenfeuers“ gleich nach Aschermittwoch hatte er Dienst. Zu seinem Entsetzen brennt ein Bergkreuz, an das eine Frau, Karin Kruse, befestigt ist. Als Tatverdächtiger wird Harald Mendler, der zuvor eine Affäre mit der Frau hatte, festgenommen. Doch immer wieder beteuert er seine Unschuld. Klufti landete auch wg. dieses Ermittlungserfolges später bei der Soko Kempten. Dann begegnet er dem „Schutzpatron“ in seiner Wohnung, die zum Büro umfunktioniert wurde. Am Volkstrauertag 2018 stellen sie zudem dem Täter eine Falle, doch alles endet in einer Katastrophe. Erst viel später, bei einer atemlosen Jagd auf Leben und Tod durch den Altusrieder Wald am Totensonntag, steht er dem Verbrecher Aug´ in Auge gegenüber. Zudem schließt er mit dem Pfarrer eine Abmachung, besucht den Messner, der am liebsten Horrorfilme in 4 K schaut und es gibt eine reichlich seltsame Beerdigung. Wieder viel Stoff für Klufti-Fans und die, die es werden wollen. Fazit: Sehr gutes Hörbuch, wundervoll gelesen von Volker Klüpfel, Michael Kobr und dem Schauspieler Christian Berkel als Erzähler. Tragik-Komödie und Krimi in einem. Spannend, lustig und nachdenklich zugleich. Man kann diese Krimis lesen, sicher, wer sich aber das himmlische Vergnügen entgehen lässt, die Welt von Kommissar Kluftinger zu erleben, ist selbst schuld. Denn diese Hörbuch-Krimis sind längst Kult und gehören neben den Eberhofer- Krimis zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Das Buch ist bei Ullstein erschienen. Bei Hörbuch Hamburg ist die Sinnsuchergeschichte „Hector und die Kunst der Zuversicht“ von Francois Lelord (gelesen von August Zirner) erschienen. Weitere Titel auf www.hoerbuch-hamburg.de Hörbuch Hamburg Verlag KLUFTINGER, Volker Klüpfel und Michael Kobr Ungekürzte Lesung, 11 CD - Box, 820 Min., 29,99 Euro ISBN 978-3-95713-112-6 (tb /Abbildung: Hörbuch Verlag) Vulkan-Hörbuchtipp Gewinnen In Zusammenarbeit mit dem Hörbuch Verlag Hamburg verlosen wir 2 x die Hörbuch-Box „Kluftinger“ unter unseren Lesern. Wer gewinnen möchte, schreibt uns bis zum 15. Juni eine E-Mail mit dem Betreff „Kluftinger“. Bitte den vollständigen Absender nicht vergessen. Viel Glück! Mails bitte an vulkan@ oberhessische-zeitung.de


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