Erziehungsfähigkeit junger Familien durch Hilfen stärken
21.09.2011 - VOGELSBERGKREIS
Jugendhilfeausschuss stellt Überlegungen zur Umsetzung des Kinderschutzgesetzes vor
(gl). Das Gesetz ist vom Bundestag noch gar nicht verabschiedet worden, da laufen im Vogelsbergkreis bereits die Vorbereitungen für die Umsetzung. Mit dem Bundeskinderschutzgesetz soll versucht werden, Missbrauchsfälle und Gewalt gegen Kinder in den Familien zu verhindern. Der Jugendhilfeausschuss des Kreises hat einen Vorschlag unterbreitet, wie das im Kreis funktionieren könnte, der Jugendausschuss des Kreistags ließ sich die Vorschläge jetzt erläutern.
Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Bodo Kester, erläuterte, dass die Jugendhilfe in der Bundesrepublik nach einigen schrecklichen Vorfällen mit misshandelten Kindern und Säuglingen neu und intensiv diskutiert werde. Im Bundestag werde derzeit ein Entwurf eines Kinderschutzgesetzes beraten.
Kester betonte, die „erschreckenden Zahlen“ des Jugendamtes belegten, dass es dieses Problem auch im Vogelsberg gebe. Deshalb müsse es darum gehen, die Erziehungsfähigkeit junger Familien zu stärken durch entsprechende Hilfsangebote.
Bodo Kester nannte als Einstieg in die Hilfen ein Begrüßungspaket für Neugeborene, das den Familien signalisiere: „Ihr seid uns wichtig, wir sind für euch da.“ Damit verbunden seien Elternbriefe, die die Familien bis zum dritten Lebensjahr des Kindes erhalten sollten.
Im Zentrum des Konzepts, das der Jugendhilfeausschuss erarbeitet hat, stehe jedoch der Einsatz von Familien-Hebammen mit einer sozialpädagogischen Zusatzausbildung, die in den Familien besser aktzeptiert würden als Amtspersonen. Freilich müsse man sich darüber im Klaren sein, dass dieser Vorschlag Geld kosten werde, Kester sprach in der Diskussion mit den Abgeordneten später von 40 000 Euro im Jahr alleine für diesen Sektor.
Außerdem gehört zum Modellvorschlag des Jugendhilfeausschusses der Einsatz von ehrenamtlichen Paten für die jungen Familien. Schließlich müsse es im Vogelsberg mehr Angebote für Familienbildung geben. Ganz wichtig sei es außerdem, ein Netzwerk aller Institutionen zu gründen, die sich mit Hilfen für junge Familien befassen. Denn die Arbeit der unterschiedlichen Stellen müsse umfassend koordiniert werden.
Landrat Rudolf Marx betonte, im Vogelsberg funktionierten die Familien gut, sie erfüllten ihre Pflichten gegenüber den Kindern. Allerdings seien manche Eltern mit der Doppelrolle von Kindererziehung und Beruf überfordert. Insofern dürfe man das Problem nicht global sehen und Hilfsangebote „nicht generell überstülpen“. Marx widersprach Kester mit dessen Behauptung, Prävention spare Geld. An der Ausgabenentwicklung des Jugendamts lasse sich das nicht belegen.
Auch CDU-Sprecher Hans Heuser betonte, es gehe nur um einen geringen Prozentsatz der Familien mit Neugeborenen. Für die Union stelle sich die wichtige Frage: Was kostet uns das? Die Union beantrage, dass im kommenden Haushalt 20 000 Euro für einen Einstieg in das Hilfskonzept bereitgestellt werden.
Nach Einschätzung der Linken ist es das Kernproblem aller Bemühungen, jene Familien zu finden, die Hilfe benötigen. Michael Riese unterstrich, dass jene Familien am wenigsten danach fragten, die sie am dringendsten bräuchten.
Für die Grünen ist unstreitig, dass auch Vogelsberger Familien diese Hilfen bei der Erziehung brauchen. Auch für sie ist die zentrale Frage des Konzepts, wie man an diese Familien „herankommt“. Die Grünen bevorzugen deshalb das Hebammen-Modell, weil sie in den Familien am ehesten aktzeptiert werden. Denn Cornelia Bothe meinte, persönliche Kontakte seien wichtiger als Lesestoff.
Entschieden wurde vom Ausschuss nichts, weil der gesetzliche Rahmen für das Hilfskonzept noch fehlt und noch nicht klar ist, welches Amt möglicherweise per Gesetz zuständig sein wird. Über den Unionsantrag zum Haushalt wurde nicht abgestimmt. Der steht allerdings in der Kreistagssitzung am kommenden Montag auf der Tagesordnung.