04. Februar 2012 20:19 Uhr
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Grebenau 

"Persönliche Insolvenz vorprogrammiert"

24.02.2010 - EULERSDORF

Straßenbau "Am Hang": Anwohner fühlen sich "verschaukelt" - Ackermann weist sämtliche Anschuldigungen zurück

Jahrelang ärgerten sich die Anwohner über den maroden Zustand ihrer Straße "Am Hang" mit ihren vielen Schlaglöchern. Jetzt ist der Weg zwar von Grund auf saniert, die Löcher verschwunden, aber rechte Freude will trotzdem nicht aufkommen. Denn: Die Anwohner werden zur Kasse gebeten, müssen zwischen 3600 und 17 400 Euro zahlen - und dabei stand für sie während der gesamten Bauphase "definitiv fest, dass keine Anliegerkosten für die Straße erhoben werden".

Sauer sind die Anwohner allerdings nicht in erster Linie, weil sie zahlen müssen. "Es geht um die Art und Weise, wie hier vorgegangen wird", sagt Stefan Pfitzner. Im Gespräch mit der Oberhessischen Zeitung stellt Pfitzner gemeinsam mit seiner Frau Alexandra, dem Ehepaar Anette und Bernd Ruppel, Michael Schott, Ortsvorsteher Erhard Spohr und Petra und Manfred Habermehl den Gang der Dinge dar.

Schon seit Jahren hätten sich die Anwohner gewünscht, dass die Straße ausgebessert wird. "Schlaglöcher hoch drei" habe es dort gegeben. 2007 dann habe der Magistrat mitgeteilt, dass der "Hang" saniert wird. Die Reparaturmaßnahme werde im Zuge der Kanalsanierung vorgenommen.

Allerdings: "Der Kanal war vorher ganz", sagt Habermehl und mutmaßt, dass die Abwasserrohre beim Ausbau der Tannenwaldstraße in Mitleidenschaft gezogen worden waren. "Vor der Maßnahme ist der Kanal untersucht worden, da war er ganz", betont Habermehl noch einmal. Beim Straßenbau allerdings sei der Verkehr durch den "Hang" geführt worden. "Alle sind hier durchgefahren - auch der Schwerlastverkehr und die Busse", so die Anlieger. Die Bürger und der Ortsbeirat hätten auf Folgeschäden durch den Verkehr hingewiesen. "Aber nichts ist passiert." Im Rahmen der Eigenkontrollverordnung seien dann die Abwasserrohre erneut untersucht und die Schäden festgestellt worden.

Neben dem Kanal wurden schließlich auch die Wasserleitung erneuert und die Straße ausgebaut. Von Anfang an habe festgestanden, dass die Anlieger die Hausanschlüsse für Wasser und Kanal bezahlen müssten. Von Beiträgen für die Straße sei hingegen nicht die Rede gewesen. Selbst Anliegerversammlungen seien mit dem Hinweis abgelehnt worden, dass die Eulersdorfer "nicht zahlen" müssten, betonen die Betroffenen unisono.

Zweifel kamen weder während der gesamten Baumaßnahme noch nach Bekanntgabe der Fertigstellung im vergangenen Jahr auf. Misstrauisch wurden die Anlieger erstmals im Spätsommer, als ein Mitarbeiter des Bauhofs und eine Mitarbeiterin der Verwaltung die Gebäude an der Straße in Augenschein nahmen.

Im Gespräch mit Bürgermeister Jürgen Ackermann erfuhren die Anlieger dann, dass sie doch zur Kasse gebeten werden. Die Rechtslage sei jetzt eindeutig, es habe sich eine gesetzliche Änderung ergeben und deshalb würden doch Beiträge erhoben, so die Begründung.

Die Anlieger fühlen sich "verschaukelt", erklären im Nachhinein, dass sie dem Straßenausbau in der jetzigen Form nicht zugestimmt hätten, wenn sie gewusst hätten, wie viel sie letztendlich bezahlen müssen. Sie bemängeln, dass sie "vor vollendete Tatsachen gestellt wurden". Junge Familien, die "Am Hang" Häuser gekauft hätten, müssten plötzlich fünfstellige Summen bezahlen, ebenso wie Rentner mit geringen Bezügen. "Persönliche Insolvenzen sind vorprogrammiert", befürchten gar die Anlieger.

Für rund 120 000 Euro wurde die Straße "Am Hang" ausgebaut. Laut Satzung werden 75 Prozent der Kosten auf die Anlieger umgelegt. Sie müssen - je nach Grundstücksgröße - zwischen 3600 und 17 400 Euro zahlen. Foto: sgsVergrößern

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