VR Bank: Buchautorin Felicitas Heyne über Mechanismen des Glücklichseins
(gsi). Der Frauenanteil an der diesjährigen Mitgliederversammlung der VR Bank HessenLand war ungewöhnlich hoch, wie Vorstandsvorsitzender Helmut Euler zu Beginn per Handzeichen augenzwinkernd ermittelte. Ein Grund war schnell gefunden: Die bekannte Psychologin und erfolgreiche Buchautorin Felicitas Heyne war der Einladung der Bank gefolgt, um über die "Zehn größten Irrtümer zum Thema Glück" zu sprechen - ein Frauenthema, ganz offensichtlich.
Doch nicht nur für sie hielt die Referentin erstaunlich neue und alte Erkenntnisse bereit über ein Motiv, das derzeit in aller Munde ist und von vielen Autoren beschrieben und beleuchtet wird. Heynes Zehn-Punkte-Liste der Frustrationen über die Annahmen zum Glück begann mit ihrer eigenen Zunft: Psychologen machen nicht glücklich. Lange Zeit beschäftigten sie sich sogar nur mit dem Unglück. Die "Positive Psychologie" sei erst in den 80er Jahren von Martin Seligman entwickelt worden und beschäftige sich mit der Frage: "Wie kommt es, dass Menschen glücklich sind?".
Der Mensch bringe bei seiner Geburt 50 Prozent seines Talentes zum Glücklich- oder Unglücklichsein mit. Über die anderen 50 Prozent entscheide er selbst, darin seien sich aktuelle Ergebnisse, die aus der Zwillingsforschung herrühren, einig. Psychologen spielten bei diesem Prozess keine Rolle. Auch Geld mache nicht glücklich, räumte die Expertin auf charmant-humorvolle Weise mit dem zweiten Irrtum auf: Lottomillionäre seien bereits drei Monate nach dem ersten Hoch wieder bei ihrem "Setpoint", ihrem ganz persönlichen Glückspunkt, der von dem Menschen immer wieder angestrebt wird, angekommen. Langfristig sind Lottomillionäre sogar überdurchschnittlich häufig depressiv. Geld, so die Psychologin mit einem Augenzwinkern auf ihren Auftraggeber, mache jedoch dann glücklich, wenn man sich damit positive Erinnerungen verschaffe oder es für wohltätige Zwecke spende. Schönheit und Jugend, ganz oben aufgehängt in der Gesellschaft, könne man auch von der Liste der Glücklichmacher streichen.
Eine Statistik zeige, dass der Glückszenit eines Menschenlebens im Alter von 74 Jahren erreicht sei. Tröstliche Aussichten also, dass mit dem Alter die Zufriedenheit mit der Gelassenheit und Lebenserfahrung steigen soll. Im Zusammenhang damit stellte die Psychologin auch die überraschende Erkenntnis in den Raum, dass auch Gesundheit nicht glücklich mache und Krankheit im Umkehrschluss nicht zwangsläufig unglücklich. Der Mensch sei anpassungsfähig und finde sein Glücksniveau auch unter erschwerten Bedingungen wieder.
Als besten Beleg dafür nannte sie die Begeisterung der körperbehinderten Sportler bei den aktuell stattfindenden Paralympics. Ein Irrtum sei auch, dass die Ehe nicht glücklich mache, stellte Felicitas Heyne fest. Ein Raunen ging durch die Runde, als sie Studienergebnisse präsentierte, nach denen verheiratete Menschen in der Glückshierarchie ganz oben stünden, länger und gesünder lebten, stressresistenter seien. Einsamkeit, so die Psychologin, sei langfristig gesehen sogar ungesünder als das Rauchen.

