Keine Misshandlung
03.04.2010 - ALSFELD
Sina Bittner sieht in Jugendsprache nichts ungewöhnliches
An einem Nachmittag laufe ich durch die Alsfelder Innenstadt. In der "Fußgängerzone" kommen mir zwei Jugendliche entgegen, einer von beiden schaut kurz auf sein Handy, wohl um eine SMS zu lesen, und sagt dann: "Yo, wie geil Alder, der Asi will ne´ Party schmeißen. Man ey, da hab´ ich ja ma´ gar kein Bock druf hier...bestimmt is´ es bei dem Pisser voll zum Kotzen." Eine ältere Dame in meiner Nähe dreht sich daraufhin zu ihrem Mann um und meint halblaut: "Peter, hast du das gehört? Unglaublich. Diese Ausdrucksweise..." Ich muss lächeln und gehe weiter.
Eine Situation wie diese hat vermutlich jeder schon einmal beobachten können, war eventuell selbst eine der eben beschriebenen Personen. In der heutigen Zeit haben viele Jugendliche eine neue Art des Sprechens entwickelt, wohl nicht immer zur Freude der unfreiwilligen Zuhörer. Der so genannte "Jugendslang" ist nicht überall beliebt, da gerade die älteren Generationen sehr an deutschen Sprache in ihrer herkömmlichen Form, ohne Anglizismen und einer Vielzahl von Schimpfwörtern, hängt.
Nach einer Studie des Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) des letzten Jahres lieben 87 Prozent der über 2000 befragten Deutschen ihre Sprache, sind sogar stolz auf sie, finden sie schön. Da ist es leicht nachvollziehbar, dass viele Leute Veränderungen eher negativ gegenüber stehen. Aber vergessen wir hier nicht, dass solche Veränderungen schon immer stattfanden? Und was ist eigentlich die deutsche Sprache in ihrer herkömmlichen Form?
Die Antwort hierzu finde ich in Wikipedia: "Die älteste schriftlich überliefert Sprachform der Völker, die sich als deutsch bezeichnen, ist das Althochdeutsche (750-1050)". Dazu gibt es ein Beispiel: "Diutschin sprechin, Duitschin liute in Diutischemi lande." ("Deutsch sprechen, Deutsche Leute in Deutschem Lande").
So ist die deutsche Sprache wie es aussieht schon länger nicht mehr "das was sie mal war". Wie alles Andere auch, entwickelt sich die Sprache und vermutlich wird sie das auch in den nächsten Jahrhunderten noch tun. Bei uns heute, lässt sich die Veränderung vor allem auf den angloamerikanischen Einfluss zurückführen. Durch den immer enger werdenden Kontakt zwischen den Ländern gehen natürlich auch eine Menge Fremdwörter in unseren normalen Sprachgebrauch mit ein. Wörter wie sorry, mailen, downloaden oder cool sind schon lange nichts Ungewöhnliches mehr.
Genau so sieht es mit den "Schimpfwörtern" aus - die im Übrigen oft nicht so hart gemeint sind wie sie klingen - Ausdrücke wie Sau, Idiot oder Spinner, werden meistens nur scherzhaft benutzt.
Dennoch sollten wir bei der Jugendsprache nicht von einer kompletten Veränderung oder einer, wie Kritiker sagen, Misshandlung der deutschen Sprache, ausgehen. Eine Vielzahl der Jugendlichen, die mit ihren Freunden im Jugendslang sprechen, wissen wann es angebracht ist, eine solche Sprache an den Tag zu legen und wann nicht. Deshalb müssen einige einfach ein bisschen mehr Toleranz zeigen, offener gegenüber der jugendlichen Art zu Reden sein und sich nicht um unsere deutsche Sprache sorgen. Auch in den nächsten 200 Jahren wird man noch grammatikalisch richtige Sätze bilden können. Sina Bittner