„Lernen, mit Fremdheit umzugehen“
10.02.2012 - WETTERAUKREIS
(ihm). In 14 Tagen startet Phase zwei von XENOS. Ziel ist es, junge Menschen gegen fremdenfeindliches Gedankengut stark zu machen und Demokratiebewusstsein zu schärfen, die Integration von Migranten zu fördern und leistungsschwächeren Schülern den Weg in den Beruf zu ebnen. „Wir wollen das Projekt noch stärker in die Breite bringen“, wies Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) auf die neue Kooperation mit dem Kreis Gießen hin. Drei Millionen Euro aus Bundesmitteln stehen für die kommenden drei Jahre zur Verfügung (der Kreis-Anzeiger berichtete).
Projekte gegen Gewalt ist ein Stichwort. Vor Aaron Löwenbein, Koordinator von XENOS, lagen Messer-Rohlinge in verschiedenen Größen. „Im ersten Moment kriegen viele einen Schreck, wenn sie das sehen“, sagte er. Messer und Schule - das geht nicht zusammen. Gleichwohl könne Inhalt eines Workshops sein, Rohlinge mit Griffen zu versehen, welche die Schüler selber bauen. Zugleich würde thematisiert, dass das Messer ein Werkzeug ist und keine Waffe sein sollte. Ein anderes XENOS-Projekt seien Musikworkshops, die ein Musikpädagoge aus Dänemark leitet. Er erarbeite mit Schülern, die bislang nichts mit Musik zu tun hatten, ein Konzert. Am Ende der Woche seien die Kids so weit, dass sie mit Instrumenten auftreten können. „Es geht um die positive Assoziation: den Jugendlichen beibringen, etwas Positives zu schaffen und Misserfolge zu minimieren“, sagte Löwenstein. Sich zu konzentrieren, differenziertes Denken zu lernen durch die aussagekräftigen Liedtexte und sich in einer anderen Sprache zu verständigen - das sind Bausteine dieser Offerte, die interkulturelle Kompetenz ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln will.
Bei einem Treffen in Butzbach sammelten die Projektpartner jetzt Anregungen und tauschten Erfahrungen aus. Vertreter von 30 Institutionen waren dabei, unter anderem Polizei, Ausländerbeirat, Abgesandte von Schulen, Gewerkschaften, Kirchen, Schulverwaltung und Universität Gießen. Die Hochschule macht beispielsweise mit, da dort Lehrer ausgebildet werden. Auch für Pauker sei es wichtig, im Rahmen von XENOS geschult zu werden. Einer der Gründe: Der Anteil an Migranten unter den Berufsschülern werde in absehbarer Zeit überwiegen. „Wir müssen alle lernen, mit Fremdheit umzugehen“, unterstrich Löwenstein.
Bildungseinrichtungen und Pädagogen, die sich für XENOS interessieren, können aus einem bestehenden Angebot an Projektideen schöpfen oder auch eigene Ideen einbringen. Wie Dirk Haas, Gießener Dezernent für Migration, sagte, sind die Gießener Teilnehmer gehalten, auch Vereine einzubinden.
Drei Millionen Euro lässt sich der Bund die Initiative im Wetteraukreis und Landkreis Gießen kosten. Da das Ministerium für Arbeit und Soziales Geldgeber ist, steht besonders der Übergang von Schule zu Beruf im Fokus. Zielgruppe sind Pennäler ab 15 Jahren. Aus dem Wetteraukreis nehmen die John-F.-Kennedy-Schule (Bad Vilbel), die Limesschule Altenstadt, die Schule am Dohlberg (Büdingen), die Schrenzerschule (Butzbach), die Berufsschulen Butzbach und Nidda sowie die Haupt- und Realschule in Nidda teil.