Eine Forschungsreise zum Weihnachtsfrieden
06.12.2010 - ALSFELD
Festliches Adventskonzert mit Lesung von Georg Magirius und Harfenmusik von Bettina Linck in der Elbenröder Kirche
(gsi). Wohl kaum ein Ort ist besser geeignet für „Weihnachtsträume“ als eine kleine, verschneite Dorfkirche, in deren verwinkelten Ecken Lichter scheinen und die, malerisch und romantisch, ihren eigenen Charme wirken lässt. In der Elbenröder Dorfkirche gestalteten am Vorabend des zweiten Advent zahlreiche Mitwirkende ein festliches Konzert, in dessen Mittelpunkt eine Lesung mit Georg Magirius und Harfenmusik von Bettina Linck standen.
Georg Magirius, Theologe und Publizist, war sicher vielen der Gäste und Mitwirkenden ein guter Bekannter, verbrachte er doch Ende der neunziger Jahre seine Vikarszeit in dem kleinen Dorf bei Alsfeld und war in dieser Zeit auch einige Monate Mitglied der OZ-Redaktion. Mit eigenwilligen Geschichten erzählt er von der Kraft der Bibel, die bis heute in den Alltag der Menschen wirken kann. So auch in seinem Buch „Der freie Blick zum Himmel“, aus dem er an diesem Abend in der Kirche las.
Eine „Forschungsreise zum Weihnachtsfrieden“, in deren Mittelpunkt die Hirten stehen, stellvertretend für „Nachtarbeiter“, Krankenpfleger, Taxifahrer, Menschen, die eigentlich im Hintergrund bleiben. Georg Magirius macht sie zu Hauptpersonen, erzählt die bekannte Geschichte vom Weihnachtsabend durch ihren Blick, einen ungewohnten Blick, der neue Eindrücke bei den Zuhörern hinterlassen konnte. Eindrücke, die durch das intensive, wunderbare Spiel der Konzertharfenistin Bettina Linck noch vertieft wurden.
Ihre Melodien interpretierten die Angst und die Aufregung der Hirten, ihren Aufbruch und ihre Ankunft auf intensive, außergewöhnliche Weise. Bevor die beiden Künstler ihre Lesung jedoch begannen, begrüßte Pfarrer Horst Nold die vielen Gäste in seiner kleinen Kirche. Er stellte neben Georg Magirius und Bettina Linck sowie Dorothea Mauß an der Orgel alle anderen Mitwirkenden aus der Elbenröder Vereinslandschaft vor: den Männergesangverein MGV 1888 Elbenrod unter der Leitung von Karl Merle, den Evangelischen Frauensingkreis Elbenrod unter der Leitung von Anke Leiser und den Posaunenchor Elbenrod unter der Leitung von Helmut Wahl.
„Heilige Zeit“ erschallte es bald mit den kräftigen Männerstimmen durch die alte Dorfkirche, und in einen schönen Wechsel von Posaunenchor und Harfe eingebettet war danach das Lied „Macht hoch die Tür“, dargeboten vom Frauensingkreis. Erstmals erklang Bettina Lincks große, schöne Konzertharfe durch den Raum, außergewöhnlich und wunderschön und wie geschaffen für einen geheimnisvollen, eindrücklichen Abend in der Kirche. Nach einem gemeinsamen Lied der Gemeinde stellte sich Georg Magirius auf der Kanzel seinem Publikum vor: „Sie bekommen heute Geschichten erzählt“, begann er seine Lesung, nicht ohne einen augenzwinkernden und liebevollen Rückblick auf seine eigene Zeit in Elbenrod, an die er und viele andere sich erinnern. Der kleinen Dorfkirche und einigen Menschen ist er, wie er später sagte, immer verbunden geblieben.
Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, so wie man sie kennt, wolle er mit der Gegenwart verbinden - typisch für ihn und seine theologische Arbeit, aber auch passend zu dem Thema „Weihnachten im Dorf - gestern und heute“, unter dem die Adventstage in Elbenrod stehen. So erfuhren die Gäste von den Hirten, den „Nomaden der Nacht“, deren Welt sich nicht nach dem Tageslicht streckt - so wie die eines Taxifahrers, der Georg Magirius einmal von Gießen nach Alsfeld gebracht hat.